Wenn Sie auf der B95 von Chemnitz aus in Richtung Annaberg nach Süden fahren, passieren Sie den oberen Ortsteil von Gelenau am Eingang des Erzgebirges. Der Ort erstreckt sich auf einer Länge von sieben Kilometern in einem langen Tal. Dabei steigt die Höhe von zirka 350 bis 650 Meter. Machen Sie eine kurze Rast am Ortseingang an der B95, können Sie nach einem kurzen Spaziergang von 500 Metern auf der altbekannten Eisenstrasse den gesamten Ort und das östliche sowie südliche Erzgebirge überblicken. Kommen Sie dagegen über die B174, die auch durch Chemnitz in Richtiung Zschopau führt, benutzen Sie die Ausfahrt Amtsberg und fahren in Richtung Ehrenfriedersdorf. Dieser Weg führt Sie durch unseren unteren Ortsteil. 
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Der Ort ist als typisches Waldhufendorf angelegt und wurde im Jahre 1273 erstmals urkundlich erwähnt. Noch heute kann man den Charakter des Dorfes sehen, obwohl der obere und untere Ortsteil im Laufe der Jahhunderte stärker ausgebaut wurden. Beherrscht wurde der Ort durch die Familie der Schönbergs, einem wenig bekannten Adelsgeschlecht, das auch das Rittergut (heutiges Rathaus) und die Kirche erbauen ließ. Vom urssprünglich rein landwirtschaftlichen Wirtschaftsgepräge entwickelte sich Gelenau mit der Industrialisierung zu einem im Wesentlichen von der Strumpfindustrie gesprägten Ort. Fast jeder Deutsche kennt wahrscheinlich die Marke Ergee, aber die Wenigsten wissen, daß sich dahinter die Abkürzung von Erwin Rösler GElenau Erzgebirge verbirgt. Die Röslerschen Strumpffabriken gehörten zu den Größten des Landes! Auch die Metallverarbeitung konnte im 20. Jahrhundert durch die Nähe des "sächsischen Manchesters" (Chemnitz) Fuß fassen. Heute sind nur noch wenige metallverarbeitende Betriebe übrig geblieben, die Strumpfwirkerei ist gänzlich zum Erliegen gekommen. Das Gewerbe verschiebt sich immer mehr in Richtung Dienstleistungen.

Das Klima in Gelenau ist typisch für das Mittelgebirge. Die Gemeinde liegt in einem langen Tal und ist dadurch klimatisch jedoch etwas bevorzugt. Trotzdem herrscht ein etwas rauheres Gebirgsklima vor. Besonders in der kälteren Jahreszeit zeigt sich eindeutig die Gebirgslage, denn sehr oft liegt der Ort in gleißendem Sonnenschein, während das flachere Land in nörlicher Richtung in dichten Dunst und Nebel gehüllt ist. Daher kommt wahrscheinlich auch die oft gebrauchte und belächelte Redewendung "In Gelenau, da ist der Himmel blau", von der Keiner den Ursprung kennt. Bei Winterspaziergängen hat man dann den schönen ind interessanten Eindruck wie im Hochgebirge auf die Wolken hinab zu blicken. Die Gemeinde ist auch klimatisch das "Tor" zum Erzgebirge.

Die Landschaft unserer Umgebung ist vom Gebirge geprägt. Wenn man sich auf einem Aussichtspunkt befindet, erkennt man deutlich den Charakter einer vom Erzgebirgskamm langsam nach Norden abfallenden Hochebene, die von Flußtälern tief zerschnitten ist. Die relativ geringen Höhen von maximal 1200 Meter geben dem Erzgebirge jedoch einen recht sanften Charakter. Noch vor dreißig Jahren war die Umgebung von Gelenau eine wunderschön gegliederte Kulturlandschaft. Durch die "sozialistische Landwirtschaft" wurde aber sehr viel zerstört, vor allem viele Feldraine, Feuchtgebiete und Wanderwege, sowie die sehr nützlichen "Steinrücken", wo eine reiche Planzen- und Tierwelt zu Haus war und Gott sei Dank auch stellenweise noch ist. Mittlerweile ist man bemüht, den ursprünglichen Charakter zumindest teilweise wieder herzustellen. Allerdings muß man heute Schlüsselblumen, Wollgras und Erdorchideen suchen, während sie noch vor so kurzer Zeit in Massen vorkamen. Trotz der Veränderungen ist die Umgebung ideal zum wandern geeignet, denn freie Flächen mit herrlichen Fernsichten wechseln sich mit Waldgebieten ab und geben so sehr vielfältige Eindrücke. Wandert man nach Norden, kommt man durch lichte Wälder nach Kemtau, einem sehr idyllisch gelegenen kleinen Ort. Im Osten liegt in weiten Wäldern mit schönen Radwegen das langgestreckte Tal der Wiltzsch, einem kleinen Zufluß der Zschopau. Südlich kommt man über weite Felder in den "Thumer Forst", ein großes Waldgebiet mit schönen Wanderwegen. Im Westen schließlich liegt der "Abtwald" mit vielbegangenen Wanderwegen nach Burkhardtsdorf und Auerbach. In unserer Umgebung gibt es wenig Sensationen, aber sehr schöne Details. Auch passionierte Plizsucher kommen bei uns auf ihre Kosten.

Oft belächelt wird unser Dialekt, das Gälnsch (mit langem Ä), eine Sprache die stark an hessische und schwäbische Wortbildungen angelehnt ist, aber mit einer besonderen Melodie über die gezogenen Selbstlaute gesprochen wird. In Gelenau wird weder sächsisch noch das typische "Erzgebirgisch" gesprochen. Der Slang ist einmalig und keiner weiß, woher diese Eigenart wirklich kommt. Leider spricht in unserer Zeit kaum noch einer den echten Dialekt. Übrigens gibt es eine sehr junge Wortschöpfung, die aus unserem Dialekt entlehnt ist, nämlich die verballhornte Bezeichnung "Tratesel" für das Fahrrad. Von den restlichen DDR-Bürgern wurde diese (nach der Verwendung in einem Schlager der achtziger Jahre) in Unkenntnis des Ursprungs fälschlich zum "Drahtesel" gemacht und hat sich mittlerweile im gesamten Sprachraum verbreitet. Die Bezeichnung kommt ursrünglich vom "Esel zum Treten", hat also mit Draht nichts zu tun. Da "treten" in gälnsch "tratn" (mit langem A) heißt, wurde daraus eben der Tratesel, also ist die Rechtschreibung hier wieder einmal völlig auf dem Holzweg. Es ist jedoch zubefürchten, daß auch diese Wortbildung sehr bald wieder verschwindet, denn man hört kaum noch etwas vom guten alten "Radl", die meisten jüngeren Leute kennen nur noch coole Bikes (Nach neuer Rechtschreibung vielleicht zur Verhinderung des Verstehens auch "kuhle Beiks" geschrieben?). Sollte sich jemand über unseren Dialekt echauffieren, so darf ich nur kurz an die neue Rechtschreibung erinnern, wo sich einige verblödete Idioten fürchterlich gegen (nicht nur) die deutsche Sprachkultur vergangen und für immer ein scheußliches Denkmal gesetzt haben. Ich muß mich immer wieder über diesen Unsinn aufregen! Da wir gerade bei Fahrrädern waren - wenn Sie bei uns Radtouren unternehmen wollen, sollten Sie unbedingt Räder mit Gangschaltung verwenden, sonst heißt es oft: schieben!